Leitstellen: Die Alarmflut beherrschen – Videoalarme effizient managen

Dipl.-Ing. Hardo Naumann ist General Manager ARC Solutions bei der Accellence Technologies GmbH, Hannover. Kontakt: hardo.naumann@accellence.de
Die Alarmbildvorschau der Videomanagement-Software EBÜS zeigt Alarmbilder verschiedener Kameras gleichzeitig.
In der Sequenzbildansicht von EBÜS ist der alarmauslösende Vorgang auf einen Blick zu sehen. (Bilder: Accellence Technologies)

Von Dipl.-Ing. Hardo Naumann

Immer mehr Leitstellen klagen über eine zunehmende Anzahl von Falschalarmen. Der Grund dafür liegt in der rasant wachsenden Anzahl installierter Videokameras, deren integrierte Videoanalyse genutzt wird, um Alarmbilder zu versenden.

In aktuellen IP-Kameras ist oft bereits eine einfache videobasierte Bewegungserkennung (Motion Detection) eingebaut und im Preis enthalten. Für Objektbetreiber stellt dies eine sehr einfache und kostengünstige Lösung dar, um alle verdächtigen Ereignisse ihrer Liegenschaften zu einer Leitstelle zu senden, um sie dort zeitnah überwachen und auswerten zu lassen.

Eine einfache Motion Detection bewirkt jedoch insbesondere beim Einsatz im Außenbereich eine hohe Rate von Falschalarmen, denn sie reagiert auch auf Witterungseinflüsse, streunende Tiere, im Wind bewegte Zweige, Lichtkegel vorbeifahrender Autos, Schattenwurf u.v.m. Dies führt in den Leitstellen zu steigendem Arbeitsaufwand (das heißt Kosten) und zu Ermüdungserscheinungen, so dass die vergleichsweise seltenen Echt-Alarme leichter übersehen werden.

Dieses Problem sollte am besten an der Wurzel gelöst werden, also mit einer Senkung der Falschalarmrate durch qualitativ hochwertige Videoanalysefunktionen, eine sorgfältige Planung und Konfiguration der Alarmdetektion sowie durch Koppelung der videobasierten Ereigniserkennung mit anderen Meldertypen, etwa Infrarotsensoren, Ultraschallüberwachung, Lichtschranken, Körperschallmeldern o.ä. In der Praxis lässt sich dies jedoch oft nicht durchsetzen, weil den Objektbetreibern die dazu nötigen Maßnahmen zu aufwändig und zu teuer sind. Die Leitstellen stehen dann vor der Wahl, entweder den Kunden zu verlieren oder mit den zahlreichen Falschalarmen zurechtkommen zu müssen. Somit suchen sie dringend nach Lösungen, wie sie die Alarmflut bewältigen können.

Die Alarmflut bewältigen - einige Lösungen

Es kommen eine ganze Reihe von Maßnahmen und Funktionen in Frage, die gut koordiniert und praxisnah realisiert sein sollten, damit sie ihre volle Wirkung entfalten. Dazu gehören:

  • Spezielle Software zum Bearbeiten von Video-Alarmen kann die Arbeit in der Leitstelle erheblich unterstützen und beschleunigen, indem sie alle relevanten Informationen übersichtlich aufbereitet und situationsgerecht alle wichtigen Aktionen mit wenigen Mausklicks oder Tastendrücken ermöglicht, unabhängig von Typ und Hersteller des Videosystems, das den Alarm sendet (hohe Effizienz durch gleichbleibende Routine).
  • Optimierte Bedienabläufe: In Leitstellen, in denen pro Schicht hunderte Alarme bearbeitet werden, sollte jeder unnötige Mausklick und Tastendruck eingespart werden, um eine schnelle Alarmreaktion und die Bewältigung großer Alarmmengen zu ermöglichen. Kurze Mauswege und mit Praktikern aus den Leitstellen sorgfältig optimierte Bedienabläufe verkürzen die Bearbeitungszeiten.
  • Eine übersichtliche Darstellung aller relevanten Alarminformationen hilft dem Zentralisten, jeden Alarm schnell und zuverlässig bewerten und die passenden Maßnahmen einleiten zu können. Dabei kommt es vor allem darauf an, auf einen Blick Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können.
  • Alarmbildvorschau: Zentraler Bestandteil einer effizienten Lösung ist eine Alarmbildvorschau, in der schon vor dem Annehmen und Bearbeiten eines Alarms alle eintreffenden Bilder quasi „live“ gesichtet werden können. „Dauerauslöser“ können hier geparkt und weiter beobachtet werden, während gleichzeitig andere Alarme bearbeitet werden. Neu eintreffende Alarmbilder können durch einen farbigen Titel hervorgehoben werden, um die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Erweist sich ein Alarm schon in der Vorschau als irrelevant, kann er mit einem Mausklick gelöscht werden. Das spart viel Zeit, sollte aber nur mit Bedacht eingesetzt werden. Deswegen sollte diese Funktion je nach Benutzer auch gesperrt werden können.
  • Sequenzbildansicht für komplette Alarmvorgänge. Sie erleichtert die schnelle Bewertung von Vorgängen, weil die Bilder nicht einzeln nacheinander aufgeblättert werden müssen, sondern auf einen Blick neben- und übereinander zu sehen sind.
  • Differenzbildanzeige: Damit können gezielt nur die Bereiche gezeigt oder hervorgehoben werden, bei denen sich etwas Wesentliches getan hat.
  • Die Priorisierung von Alarmen und die Unterscheidung verschiedener Alarmtypen hilft bei der Einordnung ihrer Dringlichkeit. Beispielsweise sollten durch Überfalltaster ausgelöste Alarme stets Vorrang haben vor allgemeinen Bewegungsereignissen.

In Leitstellen geht es oft laut und hektisch zu. Dagegen helfen

  • eine großflächige optische Signalisierung anstelle von Alarmtönen: Alarme können dann auch an Arbeitsplätzen mit vielen Bildschirmen schon von weitem gezielt wahrgenommen und eingeordnet werden, ohne dass der Geräuschpegel in der Leitstelle steigt.
  • eine progressive Alarmierung: Der Alarmton beginnt sehr leise und wird erst nach und nach gesteigert, wenn keine Reaktion erfolgt.
  • eine Unterdrückung von Alarmtönen, wenn an dem betreffenden Arbeitsplatz bereits ein Alarm bearbeitet wird und dem Anwender der neue Alarm optisch signalisiert wird.


Eine schnelle und gezielte Reaktion auf Alarme kann auch durch individuelle Ansagetexte zu jedem Alarmereignis unterstützt werden.

Wenn Wartungsarbeiten oder Störungen zu unerwünschten Alarmen führen, hilft eine zeitgesteuerte Alarmsperre mit der Möglichkeit, dass die Alarme nach einstellbarer Zeit automatisch wieder aktiviert werden, damit sie nicht vergessen werden. Eine Alarmsperre sollte auch nach einem je Alarmquelle konfigurierbaren Wochenplan möglich sein, um etwa Bewegungsalarme bei Publikumsverkehr während der Öffnungszeiten des überwachten Objektes von vornherein zu unterdrücken.

Unter Alarmdispatching wird das automatische Verteilen aller anstehenden Alarme auf die dafür zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze verstanden. Wird ein Alarm an einem Arbeitsplatz bearbeitet, so wird er bei den anderen Arbeitsplätzen aus der Alarmliste entfernt. Die Alarme werden in der Alarmliste gemäß Priorität sortiert angezeigt. Somit kann jeder Mitarbeiter sofort erkennen, was als nächstes zu tun ist.

Dokumentation

Alle Alarme werden mit allen erfolgten Bearbeitungsschritten umfassend protokolliert inklusive genauer Zeitpunkte, Name des Alarmbearbeiters und der durchgeführten Maßnahmen. Wichtig sind dabei flexible Auswertungsmöglichkeiten und Schutz des Logbuchs vor Manipulationen.

Wenn die Software, wie etwa die Videomanagement-Software „EBÜS“ von Accellence Technologies, auch einen detaillierten Verbindungsnachweis mit Exportfunktion für die Rechnungsstellung bietet, kann die Abrechnung der Leitstelle gegenüber dem Objektbetreiber pro Alarm statt pauschal erfolgen, um einen Anreiz zu schaffen, die Falschalarmrate an der Quelle zu reduzieren.

Mit „EBÜS“ lassen sich die hier vorgestellten Maßnahmen umsetzen. Damit kann der Durchsatz an Videoalarmen erheblich gesteigert und somit die Wirtschaftlichkeit der Leitstelle signifikant verbessert werden.

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